Schwerpunktthema Sozialmanagement

Sozialmanagement – warum sich Soziales betriebswirtschaftlich rechnet

 

Die Mittel der Städtebauförderung, zu dem auch das Programm Soziale Stadt gehört, sollen gekürzt werden, ebenso das Elterngeld bei Hartz-IV-Empfängern, und Kommunen haben immer weniger Geld, um selber soziale Projekte zu initiieren. So muss die Wohnungswirtschaft immer stärker in die Bresche springen. Doch die hat auch selbst etwas davon, wenn sie Sozialmanagement betreibt, wie viele Mitgliedsunternehmen feststellen. Nur ein Vorteil: Die Kündigungsquote geht zurück.
Es ist nicht allzulange her, da beantworteten nicht wenige Mietinteressenten der gewobau Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Rüsselsheim mbH die Frage auf dem Mieterfragebogen nach dem Stadtquartier, in dem sie gerne wohnen würden, nicht mit einem Kreuz in den dafür vorgesehenen Kästchen, sondern mit den Worten: „Auf keinen Fall Dicker Busch!“ Das hat sich inzwischen grundlegend geändert, das Viertel wird nun immer öfter angekreuzt. Zum einen ist das der Modernisierung und dem Projekt Soziale Stadt zu verdanken. Zum großen Teil aber auch dem Sozialen Management der gewobau, das diese Entwicklung auch nach dem Abschluss des Programms „Soziale Stadt“ am Leben hält. Um nur einige Projekte im Bereich des Sozialen Managements im Dicken Busch und anderen Bezirken zu nennen: Neben niederschwelligen Angeboten wie Botengängen, regelmäßigen Veranstaltungen für Senioren, wie „Fitness im Alter“, und einer Betreuung Unter-Drei-Jähriger durch eine Mieterinitiative in der von der gewobau eingerichteten Spielwohnung, hat das Unternehmen ein Taschengeldprojekt ins Leben gerufen. Dabei halten Jugendliche die Umgebung sauber, wofür sie mit einem Vertrag und regelmäßigem Einkommen ausgestattet werden. Und siehe da: Ganz zwanglos entstehen Gespräche zwischen Jung und Alt. Zudem werden Mieter und Mitarbeiter zu Mediatoren bei entstehenden Konflikten ausgebildet. Außerdem übernimmt die Neue Wohnraum Hilfe Darmstadt seit Jahren die Mietschuldnerberatung für die gewobau.
„In dem Viertel herrscht nun eine ganz andere Stimmung“, berichtet gewobau-Geschäftsführer Michael Hampel. Doch der Erfolg macht sich auch anders bemerkbar: Es gibt viel weniger Vandalismus als früher, die Fluktuation ist niedrig, die Kundenbindung hoch: Mieter wohnen im Durchschnitt 18 Jahre bei der gewobau. Gute Erfahrungen hat auch die GWG Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Kreis Viersen gemacht. Sie arbeitet in drei Projekten mit Sozialträgern zusammen – in der Süchtelner Wohnanlage Höhenblick etwa mit der Caritas, wo diese im Treffpunkt Höhenstraße Stadtteilarbeit betreibt. Seit 1999 läuft das Projekt, 44.000 Euro kostet es die GWG jährlich. Das Wohnungsunternehmen zahlt Zuschüsse und stellt Räume zur Verfügung, die Sozialarbeit überlässt sie den Sozialträgern. Verbunden mit Modernisierungsmaßnahmen und dem Bau eines Conciergebereichs in den Jahren 2002 bis 2004 zahlt sich die Arbeit finanziell aus. Der Leerstand ist innerhalb von zehn Jahren von 16,2 Prozent auf 2,7 Prozent gesunken, die Kündigungsquote fiel von 22,9 Prozent auf 0,8 Prozent. Das freut Vorstand Diether Thelen, der die Vorteile von Sozialmanagement zusammenfasst: „Sozialmanagement führt zu zufriedenen Kunden und macht es uns einfacher, das Produkt Wohnen anzubieten.“ Sozialmanagement lässt sich in vier Aufgabenfelder gliedern:

  • Hilfe in Problemlagen (etwa Mietschuldnerberatung)
  • Verbesserung der Nachbarschaften (zum Beispiel Bewohnertreffs)
  • Verbesserung der Lebenssituation (Treppenhausreinigung, Erledigung von Einkäufen)
  • Verbesserung der Wohnsituation (Wohnraumanpassung).

Dass sich Sozialmanagement rechnet, lässt sich an einem Überschlagsrechenbeispiel erkennen: Eine Räumungsklage wegen Zahlungsschwierigkeiten kann inklusive Wohnungsrenovierung leicht 10.000 Euro kosten. Verhindert ein Sozialarbeiter sechs Räumungsklagen im Jahr, refinanziert er damit etwa sein Gehalt plus Lohnnebenkosten.
Seit einigen Jahren gibt es beim VdW Rheinland Westfalen den „Treffpunkt Sozialarbeit in Wohnungsunternehmen“ und beim VdW südwest den „Erfahrungsaustausch Sozialarbeit in Wohnungsunternehmen“. Ansprechpartner für beide Arbeitsgruppen ist Gerhard Jeschke,

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailg.jeschke‎@‎vdw-rw.de

Leitet Herunterladen der Datei einDownload gesamter Bericht