Bundesministerium für Bau, Verkehr und Stadtentwicklung und BBSR

Forschungsergebnisse: So verändern sich unsere Innenstädte

 

Gleich in zwei Publikationen von Bundesministerium für Bau, Verkehr und Stadtentwicklung (BMVBS) und Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) stehen die Innenstadt und ihre Funktionen im Fokus der Betrachtung. Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen prägen das Bild der Innenstädte. Die sich verändernden demografischen Rahmenbedingungen, Entwicklungstrends und Potenziale der Innenstädte stellen die Schwerpunkte der Publikationen dar, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.
In der Reihe BBSR-Berichte KOMPAKT 11/2010 wird auf die Aspekte innerstädtischer Bevölkerungsentwicklung eingegangen. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem demografische Strukturen und Prozesse. Zunächst richtet sich der Blick auf die Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung. Anschließend werden sozio-demografische Trends und Strukturen auf Basis von Stadtteildaten aus 85 Städten analysiert. Dabei kann nachgewiesen werden, dass die demografischen Trends – Alterung, Migration und Bevölkerungsrückgang – regional sehr unterschiedlich ablaufen. Folgendes Fazit beschließt die Publikation:

  • Innerhalb der Gruppe der Mittel- und Großstädte werden die Innenstädte nach Jahren des Bevölkerungsverlustes wieder attraktiver, eine Ausnahme sind die Großstädte in Regionen mit erheblichen Anpassungsproblemen. Besonders Stadtrandlagen in den ostdeutschen Städten haben mit Einwohnerverlusten zu kämpfen.
  • Ausschlaggebend für diesen Trend ist vor allem die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen. Gerade Auszubildende beziehungsweise Berufseinsteiger zieht es in die Innenstadt wegen ihrer Qualitäten, aber auch aufgrund ihrer oftmals günstigen Mieten.
  • Vor diesem Hintergrund ist abzusehen, dass der positive Trend „zurück in die Innenstadt“ sich nicht selbst trägt, da der Anteil der 18- bis 29-Jährigen innerhalb der Bevölkerung schrumpft.

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Reurbanisierung der Innenstadt?

In der als BMVBS-Online-Publikation 19/2010 erschienenen Studie „Reurbanisierung der Innenstadt“ wird die aktuelle Entwicklung der Innenstädte sehr intensiv behandelt. Ziel von BMVBS und BBSR war es, sich einen aktuellen, bundesweiten Überblick über die Situation der Städte zu verschaffen. Im Rahmen der zweijährigen Forschungsstudie wurde zunächst der Stand der Problemkenntnisse, der konzeptionellen Ansätze und laufenden Initiativen aufgearbeitet. Weiterhin wurde durch Vor-Ort-Besichtigungen und Einzelinterviews in zwölf Referenzstädten im Bundesgebiet eine empirische Grundlage für eine vergleichende Analyse geschaffen. Eine Vielzahl an Forschungsfragen, beispielsweise zum Funktionswandel der Innenstädte, zu Einzelhandelsgroßeinrichtungen, zu Arbeiten, Wohnen, Bildung, Kultur, Raum- und Baustrukturen etc. bildete den Leitfaden bei der Durchführung von Bestandsaufnahme und -analyse. Diese Kategorien wurden ebenfalls in der vergleichenden Analyse der zwölf Referenzstädte herangezogen. Die Studie schließt mit Empfehlungen, einerseits zum weiteren Forschungsbedarf, andererseits zur Städtebauförderung, ab.

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Die Innenstadt als Wohnort – nicht mehr oder wieder gefragt?

Ein Forschungsinteressen galt auch der Untersuchung der Fragestellung, ob es tatsächlich (wieder) zu einem Bedeutungszuwachs der Innenstadt als Wohnstandort komme. Dieser Trend kann in einzelnen Städten beobachtet werden – die Beurteilung fällt in der aktuellen Veröffentlichung des BMVBS allerdings verhalten aus. „Die Innenstadt ist nicht mehr der bestimmende Wohnort einer Stadt, insbesondere bei einer über die Jahrzehnte gewachsenen Ausrichtung auf einen Funktionsschwerpunkt, wie zum Beispiel den Einzelhandel. Auch in Mittelstädten steht die innenstädtische Wohnnutzung häufig nicht mehr im Vordergrund, teilweise sind vorhandene Wohnungsangebote (zum Beispiel Fachwerk) weniger gefragt. Der Wohnanteil in den Innenstädten verändert sich bisher eher qualitativ (zum Beispiel hinsichtlich Sozialstrukturveränderungen, Bildungswanderung der Jüngeren, keine erhebliche Rückwanderung der Wohnbevölkerung aus dem Umland) als quantitativ (durch Zuzüge). […] Von einer Renaissance des Wohnens in der Innenstadt kann in den befragten Städten immer dann berichtet werden, wenn entsprechende Flächenpotenziale vorhanden sind und diese zielgerichtet für attraktiven Wohnungsbau genutzt werden. Die höheren Mobilitätskosten des Wohnens im Umland, aber auch eine stärkere Neigung zu städtischen Lebensstilen begünstigen diese Entwicklung. Es bestehen positive Ansätze für eine Stärkung des Wohnens im Zentrum, übergreifend ist diese Entwicklung in den Referenzstädten jedoch (noch) nicht ausgeprägt. Überwiegend handelt es sich weniger um ein ‚Zurück in die Stadt?, als vielmehr um ein ‚Bleiben in der Stadt?.“