Bilanzsteuerrecht

Rückstellungen für Aufbewahrungskosten


Mit Urteil vom 18. Januar 2011 (X R 14/09) nimmt der Bundesfinanzhof zur Berechnung der Rückstellung für Aufbewahrungskosten in der Steuerbilanz Stellung: „Für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen ist eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten zu bilden, da es sich um eine Sachleistungsverpflichtung handelt. Deren Höhe bestimmt sich nach den Einzelkosten und dem angemessenen Teil der notwendigen Gemeinkosten zur Aufbewahrung. Allerdings dürfen nur Aufwendungen für solche Unterlagen zurückgestellt werden, deren Existenz bis zum jeweiligen Bilanzstichtag wirtschaftlich verursacht ist. Dass auszusondernde Unterlagen voraussichtlich später durch neue Akten ersetzt werden und insoweit kein Stauraum frei wird, kann daher nicht berücksichtigt werden.
Bei der Bewertung der Rückstellung kommt es auf die verbleibende Dauer der Aufbewahrungspflicht, abhängig vom Entstehungszeitpunkt der Unterlagen, und auf die Dauer der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen an. Dabei kann eine durchschnittliche Restaufbewahrungsdauer von 5,5 Jahren angesetzt werden. Zum jeweiligen Bilanzstichtag müssen die Unterlagen nämlich zwischen ein und zehn Jahren aufbewahrt werden. Somit beträgt das arithmetische Mittel 5,5 Jahre. Fallen z. B. jährlich 1.000 EUR an, dürfen 5.500 Euro zurückgestellt werden und nicht etwa 10.000 Euro.
Die abstrakte Möglichkeit, dass sich die Aufbewahrungsfrist wegen einer Betriebsprüfung oder wegen anhängiger Verfahren verlängert, ist nicht zu berücksichtigen. Die Rückstellung kann nämlich nur für den voraussichtlichen Aufwand gebildet werden. Die Verlängerung muss also schon zum Bilanzstichtag vorhersehbar sein und die tatsächlichen Voraussetzungen dafür müssen dargelegt werden können. Ergänzend wird auf den Aufsatz von Olaf Klingebiel „Grünes Licht für die Rückstellung zur Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen“, NWB 30/2011, S. 2.546 verwiesen. Er kann angefragt werden unter
j.gnewuch‎@‎vdw-rw.de
anke.kirchhof‎@‎vdwsuedwest.de