Energetisches Konzept für ein Quartier

GBGStandortvorteile für das Quartier

 

Energieeffiziente Ansätze sollten sich nicht nur auf einzelne Gebäude fokussieren. In einem Gastbeitrag erläutert Prof. Dr.-Ing. Annette Rudolph-Cleff von der TU Darmstadt anhand der Aubuckel-Siedlung in Mannheim, wie das gesamte Quartier in Energieeffizenzrechnungen einbezogen wird.
Energetische Betrachtungen konzentrieren sich in den meisten Fällen auf das Gebäude und seine Anlagentechnik. Der Schritt vom energieeffizienten Haus zum energieeffizienten Quartier ist noch nicht selbstverständlich, auch wenn integrative Betrachtung von Gebäude und städtischem Kontext naheliegen mag. Gerade im Umgang mit den Wohnungsbeständen der Nachkriegszeit sind die energetischen Standards der neuen Energiesparverordnung kaum in wirtschaftlich sinnvollem Rahmen zu erreichen. Die Grenze zwischen technologisch Machbarem und wirtschaftlich Möglichem werden nicht zuletzt vom zukünftigen Mieter bestimmt. Es lohnt sich daher genau hinzusehen und das Wissen auf Gebäudeebene und das Wissen über Stadttechnik und Stadtklima zu vernetzen. Viele Möglichkeiten eröffnen sich im energetischen Zusammenspiel von Gebäude und Quartier. Das Thema der Energieeffizienz ist nicht als technologischer Standard, sondern als intelligente Lösung vor Ort zu verstehen.

 

Die Aubuckel-Siedlung

Im Rahmen der Projektarbeit „Typologische und energetische Sanierung der Aubuckel-Siedlung“ bekamen wir von der GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH und der Stadt Mannheim die große Chance, die Planungsgrundlagen für eine Siedlung fachbereichsübergreifend an der TU Darmstadt ausarbeiten zu können. Zu Beginn der 1960er-Jahre wurde „Am Aubuckel“ von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBG als Siedlung mit großzügigen Grünbereichen und beispielhaften Gemeinschaftseinrichtungen errichtet, die lange Zeit als städtebauliches Vorzeigeobjekt galt und stolz vom Bundesbauministerium im Ausland als Modellsiedlung präsentiert wurde. Während die Zeilenbauten und ihre langjährigen Bewohner in die Jahre gekommen sind und einer grundsätzlichen Erneuerung bedürfen, haben dieses Siedlungsgebiet und seine parkähnlichen Außenanlagen mit altem Baumbestand an Attraktivität gewonnen. Der Stadtteil Feudenheim zählt zu den beliebtesten Vororten Mannheims und der hohe Altersdurchschnitt mit über 60 Jahren belegt die Zufriedenheit der Bewohner. Damit deutet sich aber auch ein Generationswechsel an, der neue Anforderungen an die Siedlungsstruktur und an die einzelnen Wohnungen stellen wird.

 

Projektziele

Die Ziele des Projektes waren klar umrissen. Es geht zum einen um die Verbesserung des Stadtklimas (Belüftung/ Wärmebelastung/Wasserrückhaltung) und zum anderen um eine Energieeffizienzsteigerung durch:

  • Kybernetische Gebäudemodelle (Low Tech statt High Tech), die an passive Lösungen traditioneller Gebäudetypologien anschließen
  • Vernetzung bestehender Anlagen
  • Erschließung bisher ungenutzter Potenziale
  • Kopplung von Energie gewinnenden und verbrauchenden Gebäuden
  • Netzausbau mit regenerativen Elementen. 

 

weiter auf Seite 14 im VM 3-2011