Wohnen im Alter

Welche Quartiere sollten wir uns leisten?

Auch die mittlerweile zweite gemeinsam durchgeführte Fachtagung des VdW Rheinland Westfalen und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW in Verbindung mit dem Städtetag NRW und dem Deutschen Mieterbund (DMB) NRW fand guten Zuspruch. Die in der Einladung gestellte Frage „Welche Quartiere können wir uns leisten?“ wurde gewendet in die Fragestellung: „Welche Quartiere sollten wir uns leisten?“.

Nach einem Grußwort von Angela Spitzig, Bürgermeisterin der Stadt Köln, schlug Dr. Marion Gierden-Jülich, Staatssekretärin im Ministerium für Generationen, Familien, Frauen und Integration des Landes NRW, sogleich „den Bogen von Alt zu Jung“ und plädierte für gemischte Quartiere. Sie empfahl den Teilnehmern, weniger zielgruppenbezogen zu diskutieren und dafür mehr die Verbesserung der Lebensqualität aller im Quartier wohnenden Menschen im Fokus zu haben. An dieser Aufgabe müssten viele Disziplinen zusammenarbeiten. Es sei eine gesellschaftspolitische Frage, die beim Wohnort ansetze. Den generationenübergreifenden Anspruch nahm Dr. Manfred Fuhrich vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in seinem viel beachteten Vortrag auf. Er stellte klar, dass es um attraktive Stadtquartiere für das Leben in jedem Alter gehe. Anhand gesammelter Erfahrungen im Modellprojekt „Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere“ des Forschungsfeldes im Experimentellen Wohnungs- und Städtebau belegte Fuhrich, dass alte und junge Menschen viele gemeinsame Erwartungen an Stadtquartiere haben. Dabei ist für ihn unumstritten, dass die „Nagelprobe“ attraktiver Städte im Quartier erfolgt. Dort seien die städtischen Defizite wie „mehr Grün in der Stadt“, weniger Verkehrsbelastungen oder Sicherung urbaner Vielfalt zu überwinden. Die Vereinigte Wohnstätten 1889 eG in Kassel nimmt mit ihrem Quartierskonzept als Modellvorhaben des neuen Forschungsfeldes teil. Karl-Heinz Range, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, erläuterte die drei Säulen des Konzeptes: Bauliche Ansätze, von neuen Wohnformen über Räume für Begegnung im Stadtteil bis hin zur Planungsbeteiligung der Bewohner, Soziales Management, u. a. mit dem Nachbarschaftshilfeverein Hand in Hand e. V., und zeitgemäße Unternehmensorganisation, u. a. mit einer klaren Unternehmensphilosophie und Umstrukturierung der genossenschaftlichen Verwaltung. Über die Vielfalt von Dienstleistungsangeboten in Quartieren berichteten Vertreter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW aus Gelsenkirchen und Wuppertal. Arnim Bank, Leiter des Wohnungsamtes der Stadt Düsseldorf, zeigte auf, wie durch Neuentwicklung einer großen Brachfläche in einem Düsseldorfer Stadtteil, vielfältige Wohnungsangebote und Dienstleistungen mit Ausstrahlung in das bestehende umgebende Quartier im Sinne einer Vernetzung geschaffen werden können. Ein Kontrastprogramm bot Alex Sievers aus Woudenberg (Niederlande). Er präsentierte das Projekt „Vilavie“, eine Seniorenstadt in den Niederlanden, als eine zu diskutierende Alternative. Sie fand im Publikum ersichtlich keine Zustimmung. In einer abschließenden Gesprächsrunde betonte VdW-Verbandsdirektor Burghard Schneider, dass es künftig zu einer besseren und organisierten Vernetzung im Quartier kommen müsse, um die gewünschten Erfolge zu erzielen. Dazu bedürfe es in der Regel einer zentralen Stelle, die die Koordination und Kooperation aller Akteure mit ihren spezifischen Angeboten im Quartier steuert.