Tagung „Standort Ruhrgebiet“

Ein Markt mit vielen Möglichkeiten


Das Ruhrgebiet bleibt ein komplizierter, zugleich aber ein chancenreicher Markt für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. In dieser Feststellung waren sich alle Beteiligten einig bei der zweiten Konferenz zum Standort Ruhrgebiet, die am 15. Mai 2007 vom VdW Rheinland Westfalen gemeinsam mit dem EBZ und dem BFW Landesverband Freier Immobilienunternehmen in Bochum veranstaltet wurde.
VdW-Verbandsdirektor Burghard Schneider erinnerte in seiner Einführung daran, dass nirgendwo sonst in Deutschland die Marktaktivität und die Vielfalt der Wohnungsunternehmen so groß ist wie im Ruhrgebiet. „Es ist auch die Region, in der die größten Übernahmeaktivitäten stattfinden“, sagte er. Die Vielfalt der konkurrierenden Geschäftsmodelle werde nirgendwo deutlicher als an der Ruhr. „Wie diese Konkurrenz ausgehen wird, wissen wir noch nicht.“ Schneider äußerte aber die Überzeugung, dass „die auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Strategien Erfolg zeigen werden.“ Gerade an der Ruhr erweise sich die neue Bedeutung der Wohnungswirtschaft: „Sie wird immer mehr zum zentralen Treiber einer integrierten Stadtentwicklungspolitik“, sagte Burghard Schneider.
Dr. Christoph Zöpel aus Bochum, Anfang der 80er-Jahre erster Stadtentwicklungsminister in NRW, begann seine Moderation der Tagung mit einem Hinweis auf die Weltmetropole New York. Dort hat der Bürgermeister den Plan propagiert, 80 Prozent des heutigen Energieverbrauchs einzusparen. Auch „Ruhr“ als „größte Stadt Deutschlands“ und Nummer drei unter den EU-Metropolen werde um solche Ziele nicht herumkommen. Und die Wohnungswirtschaft müsse dabei eine führende Rolle übernehmen. Prof. Dr. Karlheinz Petzinka von der THSGruppe in Gelsenkirchen zeigte in einem Beitrag die Spanne zwischen Wunsch und Wirklichkeit auf: In neuen Projekten versuchen die Wohnungsunternehmen, alle gesellschaftlichen Entwicklungen aufzunehmen. Das reicht vom Ruf nach Klimaschutz bis zum Wunsch, flexiblen Wohnraum möglichst an Fluss-, Hafenoder Seeufern für erfolgsorientierte Singles anzubieten. Zugleich aber geht es um Angebote an die zunehmend älter werdenden Stamm-Mieter und den wirtschaftlich sinnvollen und stadtplanerisch vernünftigen Umgang mit dem großen Wohnungsbestand aus den 50er- und den 60er-Jahren an der Ruhr.
Wie differenziert sieben in einer Kooperation verbundene, kommunale und kommunalnahe Wohnungsunternehmen im Ruhrgebiet mit diesen Fragen umgehen, erläuterte Dr. Dieter Kraemer, VBW Bauen und Wohnen GmbH, Bochum. Hinter der Kooperation verbergen sich 78.000 Wohnungseinheiten, ein Umsatz von 395 Millionen und eine Investitionssumme von 124 Millionen Euro. Entwicklung ganz neuer Planungs- und Technikstandards für die Zukunft, Wertsicherung, wo es Sinn hat, Abbruch und Neubau, wo notwendig, ebenso Rückbau auf zukunftsgerechtes Maß gehören dazu. Und die Bereitschaft, mit weiteren Beteiligten der Stadtentwicklung zu kooperieren. Dass ein derart kreativer Umgang mit einem schwierigen, regional unterschiedlich entwickelten Markt wirtschaftlichen Erfolg verspricht, unterstrichen Untersuchungsergebnisse von InWIS, vorgetragen von Geschäftsführer Martin Schauerte, ebenso wie die Berichte der Marktpraktiker Eckhard Brockhoff (Brockhoff und Partner) und Ludger Kortemeyer- Lanvers (Direktor WL Bank, Münster). Die zweite Tagung „Standort Ruhrgebiet“ soll Nachfolger erhalten. Verbandsdirektor Burghard Schneider versprach, aus der guten Idee eine Tradition zu entwickeln.